Icom IC-7610 Overflow OVF – Ham Radio 2017

Erwartungsvoll besuchte ich die Ham Radio 2017 in Friedrichshafen, um mich wieder auf den neuesten Stand der Amateurfunktechnik zu bringen. Wie im letzten Jahr gab es nicht wirklich viel Neues. Am meisten tut sich wohl gerade im SDR Bereich. IC-7610 Overflow OVF

An vielen Ständen in der Aussteller-Halle war ein Spektrum mit Wasserfall zu sehen. Dieses Jahr auch bei Yaesu. Allerdings „nur“ mit einem SDR Play an der ZF eines FTDX-5000. Aber trotzdem eine ansprechende Kombination. Nach wie vor hat Yaesu und Elecraft keinen reinen SDR Transceiver im Programm. Man mag sich wundern, aber es wird sicherlich wohl auch einen Grund hierfür geben.
Meiner Meinung nach beinhalteten die Transceiver der Oberklasse beider Hersteller, zur Zeit das Beste aus beiden Welten. Ein Hybrid aus einem bewährten hoch dynamischen Superhet Empfänger mit hochwertigen Roofing Filtern in der ersten ZF und einem SDR bzw. DSP in der ZF. Was am Empfängereingang ausgefiltert wird, macht einem später in der Signalverarbeitung keine Probleme mehr. IC-7610 Overflow OVF

Die Sherwood Liste wird zwar seit kurzem von einem reinem SDR Transceiver angeführt. Der „Third-Order Dynamic Range“ ist auch ein wichtiger Parameter, aber auch nicht Kriegsentscheidend. Wichtig ist auch die TX-RX Umschaltzeit, der Rauschflur und nicht zu vergessen der IMD3 des Senders. Jeder SDR mit Predistortion schlägt einen K3s oder FTDX-XXXX um Längen, aber eben nur mit dem Sender. IC-7610 Overflow OVF

IC-7610 – Der erste Eindruck IC-7610 Overflow OVF

Aber mich interessierte vor allem der neue ICOM IC-7610, das Thema auf den Amateurfunk Bändern, der schon lange gepriesene neue Messias am Amateurfunk Geräte-Himmel.

IC-7610 Overflow OVF
Icom IC-7610 Vorderseite Front

Es war schnell ersichtlich wo am Icom Stand sich der IC-7610 befinden könnte, nämlich da, wo das größte Gedränge herrschte. Die Leute standen wie paralysiert um den neuen Heiland, geblendet von dessen Erscheinungsbild, dem großen bunten Display und die Klavierlack Optik.  Aber dass auf den Bandtasten das 60m Band fehlte, ist wohl niemanden weiter aufgefallen. Die Klavierlack Optik ist Geschmackssache, diese kam bei mir und vielen Besuchern nicht gut an. Ich bevorzuge den military look ala FT-950, FT-2000 etc. Dann schon mal viel Spaß beim putzen.

IC-7610 Overflow OVF
Icom IC-7610 Rückseite Rear

IC-7610 – Auf den zweiten Blick IC-7610 Overflow OVF

Der Transceiver begrüßte mich zu Beginn erst einmal mit einer dauerhaft leuchtenden OVF Anzeige. Ups, Dejavu.

OK – kein Wunder, der Preamp ist auf Stufe 2 aktiv. Überzeugt dass die OVF Anzeige verschwindet, deaktivierte ich am IC-7610 den Vorverstärker.

Überraschung –  Obwohl der PREAMP ausgeschaltet wurde, flackerte OVF weiterhin. Diese Anzeige will sagen, dass der AD- Wandler des Empfängers übersteuert wird.

IP+ Beschreibung von Icom:

Neue „IP+“-Funktion
Die neue „IP+“-Funktion verbessert die IP3-Eigenschaften (3rd order intercept point). Der AD-Wandler ist gegen Signalverzerrungen optimiert, was sich beim Empfang schwacher Signale neben starken Störungen positiv auswirkt.

Dann war ich mir aber sicher, mit der Funktion IP+ wird die OVF Anzeige verschwinden.
– Mist, schon wieder falsch, es änderte sich nichts. Hat der neue Heilsbringer etwa auch eine Dornenkrone?

IC-7610 – Overflow OVF

ICOM präsentiert seine Geräte auf der Messe an Indoor-Antennen ca. 5m über dem Boden des Messe Standes. Sie könnten sich den Aufwand sparen und lieber gleich Dummyloads verwenden. Es waren auf diversen Bändern keinerlei Stationen zu empfangen. Eine absolut sinn- und lieblose Präsentation. Yaesu schafft es immerhin seit Jahren, einen CW-Kontest aus der Retorte abzuspielen.

Sicherlich kamen bei ICOM über die Antennen viele Störungen. Ich war vier mal am Stand und immer flackerte auf 20m die OVF ohne Preamp und mit IP+. Im 20m Band konnte ich außer Rauschen keine Signale feststellen die vielleicht den Empfänger hätten über steuern können.

Als ich zwei Icom Mitarbeitern auf das Problem ansprach fielen ihnen die Augen fast aus und drehten den RF-Gain zu – Bravo !

Das ganze ist mein subjektiver Eindruck, gewonnen auf einer Messe mit den von Icom gestellten Möglichkeiten. Mir liegt es fern den IC-7610 schlecht zu reden. Ich berichte nur, wie mir das Gerät auf der Messe präsentiert wurde.

Bei Sichtung des Videos konnte ich feststellen das Dual-Watch aktiviert war.  Beide Empfänger waren an Antenne 1, aber  der linke VFO zeigte keinen S-Meter Ausschlag. Der rechte VFO zeigte S 9 +10 dB ohne OVF an.
Insgesamt war alles sehr merkwürdig.

IC-7610 – Missing Features

Was ich beim IC-7610 vermisse ist Predistortion. Predistortion ist eine Technik, mit der man die Linearität des gesamten Sender deutlich verbessern kann.

Auch wenn dieser Begriff von manchen Ömern dermaßen inflationär benutzt wurde, dass ich ihn selber nicht mehr hören kann, ist es doch eine technische Errungenschaft die man bei neuen Transceivern nicht einfach ignorieren darf.

Dazu muss man wissen, es gibt zwei Arten von Predistortion. Eine aktive, mit einem Sensor hinter der Endstufe, also eine aktive Regelung und es gibt auch eine passive Variante. Bei der passiven Predistortion handelt es sich im Prinzip um eine parametrierbare  Korrekturtabelle, wo je nach Sender Aussteuerung, ein entsprechender Korrekturwert für den Sender aus der Tabelle verwendet wird.

Um auch mit Endstufe ein sauberes Signal in der Qualität eines PC-SDRs zu erzeugen ist Predistortion unabdingbar. Ansonsten wird sich die Reinheit des Sendesignals durch nichts von der einer älteren Kiste unterscheiden. Wir dürfen gespannt sein, wann die ersten Geräte-Hersteller endlich auch Predistortion in ihren Transceiver verbauen.

Oder man mogelt ein bisschen und reduziert durch eine zu schnelle ALC die Sender Aussteuerung und täuscht damit einen guten Sender vor.

Icom – TX Average Power

Ich war einer der ersten, die beim IC-7100 eine viel zu niedrige AVG Power bemängelte. Ich wurde deshalb als Ketzer aus einem amerikanisch ICOM Forum verstoßen. Mittlerweile gibt es Abhilfe für den IC-7100. Aber auch der IC-7300 und einige andere Geräte sind von diesem Problem betroffen. Wird es beim Icom IC-7610 anders werden?

Wahrscheinlich nicht, denn reduzierte Aussteuerung des Senders ergibt bessere IMD3 Daten fürs Prospekt. Dass man mit einem IC-7100 oder 7300 mindestens 10db leiser ist, im Vergleich zu einem Gerät mit ordentlichem Punch, wie z.B. einem IC-7000, interessiert Icom nicht die Bohne. Bekannte Probleme werden sogar am Messestand geleugnet. Es gibt bis heute noch keine offizielle Stellungsnahme zu diesem Problem, für mich eindeutig ein Serienfehler. Denn der 7100 ist ein Mobilgerät, und wenn mir als Mobilstation 10 db an mittleren Output fehlen, dann ist das eine Katastrophe. Alleine die Höhe der Average Power ist ausschlaggebend. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Die mittlere Ausgangsleistung bestimmt in SSB die Lautstärke bei der Gegenstation und nicht die Hüllkurvenspitzenleistung (PEP). Es ist an der Zeit, dass Transceiver auf einen Mindestwert an AVG-Power geprüft werden.

Einen neuen Begriff brauchen wir dafür nicht einzuführen, es gibt ihn schon.

PAPR ( peak to average power ratio )

Ich persönlich möchte in Zukunft bei meinen neuen Funkgeräten die Agilität der Sender ALC je nach Einsatzgebiet selbst beeinflussen können. Mein Zeus ZS-1 SDR kann das schon lange. So kann ich entscheiden, maximalen Punch, also hohe PAPR  als Mobilstation, eine saubere Modulation (niedriger IMD3) zu hause mit Endstufe. Am besten immer mit Predistortion, so wäre mein Sendesignal auch immer sauber.

IC-7610 – vorläufiges Fazit

Ich lass mich von dem ganzen Bling-Bling erst mal nicht täuschen. Wenn man Glück hat bekommt Icom den Empfänger noch auf die Reihe. Der Sender entspricht ohne Predistortion schon heute nicht mehr dem Stand der Technik. Kenwood und Yaesu haben bisher auch keinen Sender mit Predistortion, aber in der Oberklasse dafür Spitzenempfänger und wenigstens Klasse-A Sender.

Wenn die beiden Geräte am Icom Stand nur halbfertige Dummys waren, so habe ich für den OVF Effekt Verständnis. Aber wenn der neue Messias so das Licht der Welt erblickt, wird er auf dem Esel mit viel Getöse, zurück zu seinen Vätern ins gelobte Land getrieben werden.

Ich wünsche schon mal viel Spaß mit dem Gerät, meines wird es wohl nicht werden. IC-7610 Overflow OVF

Thilo

begeisterter Funkamateur seit 1980

3 Gedanken zu „Icom IC-7610 Overflow OVF – Ham Radio 2017

  • 7. November 2017 um 19:09
    Permalink

    it seems you are fooled by what the devices shows and it also seems you do miss the point that the 2nd RX (dual watch) picks up 9+10 garbage; Its diffcult to see as the center was selected on the display but even in the most crowded CWWW you will not see a band full left to right with S9+10 signals all over. Put normal signals at the ant jack and you will see that it will perform normal and/or better than most TRX.

    The 7300 also shows OVF sometimes and that’s the moment you should start riding the RF gain, att and such. That’s different from older TRX.

  • 24. Januar 2018 um 23:01
    Permalink

    Wenn man den ICOM IC 7610 auf dem Tisch hat, wird man feststellen, dass insbesondere diese Kritik nicht (mehr) gerechtfertigt ist.
    Der TRX ist ein wahres Prachtstück, hier hat ICOM zum IC-7300 noch mal eine Schippe draufgelegt. Ansonsten sind die Unterschiede – natürlich – nicht sehr groß. Der Hauptunterschied besteht in der Visualisierung des Bandes.
    Einige Filme aus Youtube sind leider sehr schlecht recherchiert. Die meisten Fragen werden schon durch das Handbuch beantwortet. Wer lesen kann…

    Ich wünsche allen viel Spaß mit dem TRX. Er wird durch seinen höheren Preis den Volks TRX IC-7300 nicht ablösen, aber alle die ihn sich leisten können, sollten!

    73 de Ulrich

  • 13. November 2018 um 11:36
    Permalink

    OVF Anzeige schon bei kräftige Signalen im Amateurband aktiv.
    Spektrumanzeige unempfindlich und unscharf.
    Umschaltung von einem RX einem RX auf den anderen zu umständlich.
    Das Beste an dem Gerät ist die überschwängliche Reklame der Herstellerfirma.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.