PC Headset für Amateurfunk

Seit vielen Jahren verwende ich ein preiswertes Sennheiser PC Headset für Amateurfunk Zwecke und zum Skypen. In meinen Kurzwellen QSO’s wird immer wieder nach Details zu diesem Headset gefragt, deshalb entstand dieser Beitrag.

Vorgeschichte

Früher nannte man ein Headset „Sprechgarnitur“ (Goggle: 67.500 Suchergebnisse), aber mittlerweile ist der Begriff „Headset“ (Goggle: 72.000.000 Suchergebnisse) geläufiger. Mein erstes Headset vor 20 Jahren war eine Sprechgarnitur aus einem aufgelösten Sprachstudio einer Realschule. Das funktionierte ganz brauchbar, aber mit der Zeit lösten sich die Ohrmuscheln auf – Totalschaden. Später nutzte ich ein billiges Headset,  eine gratis Beigabe von einem neuen PC. Mit billig meine ich wirklich billig, und nicht preiswert.  Zum Skypen hat es getaugt, aber es war von schlechter mechanischer Qualität. Die Audio Qualität war ganz ok, damals, denn ich kannte ja nichts besseres und meine Ohren wahren noch nicht so geschult wie heute. An der KW-Station hörte ich mit diesem „billig Teil“ schon deutlich besser als mit einem guten externen Lautsprecher. Aber als sich nach ein paar Wochen auch dieses Headset in seine Bestandteile auflöste, flog es in den Mülleimer. Ich hatte die Nase voll von dem billigen China Schrott.

Ein preiswertes PC Headset für Amateurfunk

Es war an der Zeit für ein ordentliches Headset. Ich wollte eine breitbandige neutrale Elektret-Kapsel die ich mir mit dem Equalizer nach meinem Geschmack passend einstellen konnte. Auch wollte ich keine hunderte von Euro für ein Heil-Headset ausgeben. Nach einer kurzen Orientierungsphase habe ich mich wieder der Firma Sennheiser besonnen. Von Sennheiser hatte ich früher schon gute Kopfhörer, so müssten die Headset’s doch eigentlich auch ganz brauchbar sein. Ich wollte aber unbedingt ein leichtes offenes System, kein Headset wie es Piloten verwenden. Damit habe ich übrigens später noch schlechte Erfahrung bezüglich Tragekomfort gemacht, mit dem Gefühl, als ob sich der Kopf zwischen den Backen eines Schraubstock befindet. Aber bei einem Mehrmann Kontest Betrieb mit allen Operatoren in einem Raum, kommt man an geschlossenen Kopfhörern nicht vorbei. Mein neues Headset war für zu hause gedacht, deshalb wollte ich was leichtes, bequemes.

Sennheiser PC3 Chat

Und ich wurde fündig. Ich entschied mich für den PC3 Chat von Sennheiser, mit 3,5mm Klinkenstecker für Mikrofon und Kopfhörer. Das PC3 Chat bekommt man inzwischen für unter 20 Euro bei Amazon. Es hat zwei Hörmuscheln und einen schwenkbaren Mikrofon-Arm. Herunter geklappt ist der Sprechabstand zum Mikrofon immer gleich, ein großer Vorteil.

Als ich dieses Headset an meinem FTDX-5000 ansteckte, war ich verblüfft. Die Kopfhörer waren so viel besser als dass, was ich bisher hatte. Plötzlich konnte ich Bässe in der Modulation einiger Funkpartner hören. Ein ganz anderer Sound, mit dem richtigen Funkpartner ein Hörerlebnis. Aber schlechte Modulationen wurden deswegen auch nicht besser. 😉

Die bessere Mikrofon Qualität und das „Noise Canceling“ verbesserte auch nochmal die Qualität meiner Aussendung. Ab sofort musste ich nicht mehr fragen ob die Modulation in Ordnung ist, ich bekam es sowieso regelmäßig und ohne Nachfrage bestätigt. Trotzdem experimentierte ich mit der Modulation weiter und konnte durch Veränderungen im parametrischen Equalizer des YAESU FT-2000 kleine Verbesserungen erreichen.

Der Tragekomfort des PC3 Chat war so gut, dass ich oft erst beim Aufstehen vom Shack Tisch wieder ruckartig an mein Headset erinnert wurde. Ich hatte es einfach nicht bemerkt, ein Headset zu tragen.

Adapter wird benötigt

Um das PC3Chat an einen Transceiver anschließen zu können, wird ein Adapter benötigt. Hier zum Beispiel ein YAESU Adapter.

Das PC3CHAT hat zwei Stück 3,5mm Stereoklinkenstecker

Sennheiser PC8 USB

Kurze Zeit später habe ich mir einen SDR Transceiver zugelegt. Um nicht ständig umstecken zu müssen, brauchte ich ein zweites Headset. Ich entschied mich für ein baugleiches Modell von Sennheiser, aber diesmal mit eingebauter Soundkarte, ein Sennheiser PC8 USB. Vom Tragekomfort kein Unterschied zum PC3 Chat, aber zusätzlich mit einem Lautstärke Regler am Anschlusskabel. Es eignet sich auch hervorragend für Skype und ander VOIP Dienste.

Fazit

Diese beiden Headsets kann ich auch heute noch bedingungslos weiterempfehlen. Aber um Enttäuschungen zu vermeiden, diese Headsets werden sicherlich nicht automatisch an jedem Transceiver oder SDR sofort eine Top Modulation hervorbringen, schon gar nicht wenn der TRX über keinen Equalizer verfügt.

Eine gute Modulation kann man nicht kaufen, man muss sich intensiv mit seinem Transceiver und dessen Möglichkeiten beschäftigen.

DL9NBJ

Update Juni 2020

Es gibt von Sennheiser neu Modelle. Bei diesen ist unbedingt auf den Steckertyp zu achten. Manche haben einen 4 poligen Stecker, damit werden die meisten für Amateurfunk nichts anfangen können, außer sie bauen sich einen neuen Headset-Adapter für ihr Funkgerät.

Modelle mit 3,5mm Klinke

Modelle mit USB-A Stecker

Die Modelle mit USB Stecker sind Ideal für SDR Funkgeräte, aber auch für alle VOIP Verbindungen. Die USB Headsets besitzen alle eine eingebaute USB Soundkarte und haben eine Noise-Cancelling im Mikrofon.

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admin

begeisterter Funkamateur seit 1980

5 Gedanken zu „PC Headset für Amateurfunk

  • 20. Juli 2020 um 12:05
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    Hallo Thilo,

    der Beitrag ist sehr hilfreich und interessant:) vielen Dank dafür.

  • 21. Juni 2020 um 13:44
    Permalink

    Hallo Rolf,

    sorry für die verspätete Antwort.

    „Pin5 GND ist mit dem Mikrofon Gehäuse verbunden“ bedeutet, dass der Pin5 im Transceiver direkt mit der Verschraubung des Mikrofon-Steckers verbunden ist. Wenn etwas „ist“ hi, dann muss es nicht noch verbunden werden. Demnach darf vom Mikrofon Adapter keine Abschirmung innen an der Mikrofon-Kupplung anliegen.

    Alles klar, bitte nochmal berichten, wenn du deinen Adapter fertig hast, gerne auch ein Test QSO mit dir. 73 de DL9NBJ

  • 16. Juni 2020 um 13:02
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    Hallo lieber OM Thilo, schönen Guten Morgen,
    hier meldet sich Rolf, DL6ZAH zu einer kurzen Anfrage zum empfohlenen Sennheiser- Headset beim Betrieb der YAESU-Transceiver.
    Zunächst einmal ganz herzlichen Dank für diese tolle Empfehlung, dieses Headset auch zugleich als Ersatz für ein gutes Mikrofon verwenden zu können; ich habe es gestern erhalten, es sofort auch am FTDX101D als Hörer ausprobiert, die Erstellung bzw. die Verdrahtung des benötigten Adapters fürs Mikrofon dazu soll nun umgehend erfolgen.
    In diesem Zusammenhang, lieber Thilo, hätte ich noch kurz eine Frage zur Verdrahtung des 8poligen Mikrofonsteckers. Auf dem Schaltbild des Adapters ist zu lesen:
    „Pin5 GND ist mit dem Mikrofon Gehäuse verbunden“
    Was würde dieses im Klartext nun bedeuten?
    Ist hier zwischen Pin5 und der Mikrofonsteckerhülse noch eine Drahtverbindung evtl. vorzusehen?
    Ich gehe mal nicht davon aus, dass dies zusätzlich getan werden müsste; es ist ja eh im Text die Rede davon, dass der GND-Anschluss an Pin5 mit dem Gehäuse des TRX verbunden ist und die Mikrofon-Masse an Pin7 davon isoliert sein muss.
    Über eine kurze Antwort dazu würde ich mich sehr freuen, lieber Thilo.

  • 31. März 2019 um 16:26
    Permalink

    Hallo Thilo,
    ein sehr interessanter Artikel! Besonders die Ausführungen zum parametrischen Equalizer.
    Ich werde die Parameter an meinen FT 991A testen. Das Sennheiser PC3 habe ich schon mal bestellt.
    Nun suche ich noch einen kundigen OM welcher mir den Anschluß mit den entsprechenden Modi für das
    FT 991A mit passenden Stecker machen kann. Bitte um Hilfestellung. Danke

  • 23. Dezember 2018 um 15:42
    Permalink

    Hallo Thilo,

    das Headset hat einen Doppelklinkenstecker.
    Dann bräuchte man also zwei Adapter?

    Gruss,

    Stefan, Df6vi

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