zuletzt bearbeitet: 13-Feb-2005

 

Umrüsten eines Standard C5608D für
9600Baud Packet  Radio

Ich  habe im August 1997 in die PR-Boxen eine "Umbauanleitung" für das C5608 eingespielt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine speziellen PR-Tranceiver wie  etwa den T7F oder den K-NET. Da letztere speziell für PR entwickelt wurden, sind  sie natürlich jedem anderen  Transceiver überlegen. Auch die neueren Mobil Transceiver mit "Packet  Radio Plug and Play" sind im Vergleich mit T7F oder  K-NET nur Kompromiss Lösungen. Eine halbwegs vernünftige Modulation schaffen die meisten Tranceiver schon noch, jedoch das  große Manko ist in der Regel die TX-Delay, also die Zeit die ein Gerät für das Umschalten von Empfang auf Senden benötigt. Wenn man bedenkt das ein  Bestätigungs- Frame bei  9K6 nur ca. 50ms (Millisekunden) benötigt, wird schnell klar das  eine TX-Delay von 50ms aufwärts eigentlich nur Ressourcen verschwendet. Ich  kann nur jedem empfehlen, der sich ein T7F leisten kann (ca. 300 DM), sich für  Paket-Radio (9k6) einen solches  Teil anzuschaffen. Ansonsten kann man mit einem  modifizierten C5608 schon ganz brauchbare Ergebnisse erzielen. Die Umschaltung  von  Empfang auf Senden ist zwar bei diesem Gerät mit ca. 150 ms sehr langsam, da die PTT-Leitung vom Mikrofon über einen Prozessor führt und dieser dann über einen I²C Bus einen Port Baustein ansteuert, welcher dann die RX/TX Umschaltung koordiniert, das Ergebnis ist jedoch noch brauchbar. Wenn der Digi  das DAMA Protokoll  benutzt dürfte es durch die langsame TX-Delay  keine Probleme geben, jedoch ohne Dama und in Stoßzeiten wird man den kürzeren ziehen. Außerdem ist der Betrieb dieses Gerätes auf einem stark frequentierten Digipeater nicht zu empfehlen, da es vermehrt zu Kolissionen kommen wird. Ein Versuch ist es allemal Wert, da der Umbau außer etwas Zeit nichts kostet. Die Durchsatzraten mit diesem Gerät  sind immer noch brauchbar und  weit über denen von 1200Baud .
Diese  Anleitung hier berücksichtigt im Gegensatz zur Anleitung in den PR-Boxen eine  Mikrofon Stummschaltung. Es hat sich beim Betrieb des Gerätes mit PR  herausgestellt das laute Umgebungsgeräusche im Shack unter Umständen schon mal  den einen oder anderen Sendedurchgang vermasseln  können. Deshalb habe ich nochmals den Schaltplan studiert und eine einfache Möglichkeit gefunden um das Mikrofon stumm zu schalten während die PTT vom TNC  getastet wird. 

Es folgt jetzt die aktuelle Anleitung inkl.   Mikrostummschaltung.
Letzter Stand: März 98
Einspielen dieses Artikel in meine Homepage: April 2001

Ich beschreibe zuerst nur die Anschlußpunkte im Schaltplan.
Man findet die Punkte auf der UHF Seite!

 

*** TX NF ***

Die  Nf vom TNC wird über einen 10k Widerstand auf PIN 11 von IC Q304 gelegt. Eine kapazitive Entkopplung ist nicht nötig, da in der Regel in den TNC´s  vorhanden. Die NF wird vor dem CMOS-Schalter BU4066MF eingespeist, am Schalter  Ausgang geht es direkt ohne Umwege auf den UHF VCO.

 

                      

*** PTT ***

Um die PTT Signale vom TNC und vom Mikrofon trennen zu können, werden beide wie im obigen Schaltbild zu erkennen zusammengeführt. Wird die PTT vom TNC aktiv (low), so zieht sie die Geräte interne Leitung über die Diode  und den Anschluss JL03 nach Masse. Der Sender wird getastet. Außerdem führt dann die Leitung "MIC SW CONT" (Microfon Switch Control) Masse Potential und  das Mikro wird stumm geschaltet. Bei einer Aktivierung des Senders über die Mikrofon PTT passiert jedoch nichts.



**** RX NF ***

Im Schaltplan findet man auf der rechten Seite etwa auf gleicher Höhe das IC Q116 TK10487M.
Hier kann  man das NF-Signal, noch mit viel HF-Anteilen, an Pin 11 abgreifen. Greift  man die NF etwas weiter hinten nach diversen Filtern ab, so beieinflußt  das bereits die Empfangsleistung des TNC´s. Das an dieser Stelle noch  HF-Anteile vorhanden sind stört überhaupt nicht, da im TNC selbst entsprechend optimierte Filter eingebaut sind. 

*** Kabel ***

Jetzt  geht´s ans einführen des Kabels. Dazu muss die Bodenplatte abgeschraubt werden. Das Gerät liegt jetzt auf dem Rücken. Nun die 3  Schrauben vom VCO Deckel entfernen. Das Kabel zum TNC sollte eine Gesamt-  und eine Einzeldraht Schirmung besitzen. Das Kabel wird durch die Geräterückseite geführt, am besten oberhalb des 144 Mhz Antennen Kabels.  Eventuell muss erst der runde Aufkleber, der das Loch abdeckt, abgezogen  werden. Wenn man das Kabel lang genug lässt kann man einen 5poligen DIN  Stecker am anderen Ende des Kabels montieren. Oder man macht das Kabel so lange wie die Hf-Anschlusskabel und montiert ans Ende eine 5polige DIN Kupplung. Zum Anschluss an das TNC benutzt man dann einfach ein  DIN-Kabel mit zwei Steckern.  Das Kabel nun in Höhe des  VCO Gehäuses abmanteln und den Gesamtschirm dort an Masse löten. Bitte  beachten das die Leitung zum FM-Demodulator lang genug ist.

***RX-Leitung***

Die  RX-Leitung an PIN11 von IC Q116 (linke untere Ecke)  anschließen. Die Abschirmung kann an das Filtergehäuse  gelötet werden

***TX-Leitung***

Das  IC Q304 befindet sich auf einer kleinen stehenden Platine. Sie enthält zwei CMOS Switch IC´s. Es handelt sich um die Platine hinter dem  schwarzem Hybrid Baustein. Die TX-NF wird wie oben beschrieben über 10  kOhm an den mittleren PIN des SMD 4066 angelötet. Lassen Sie sich von der gelben Ader nicht stören. Die hat eine andere Bedeutung und hat mit der Sache nichts zu tun.

***PTT-Leitung***

Von  der Rückseite der Frontplatine gehen viele grüne  Strippen auf das UHF Board. Auf dieser Platine  befinden sich die 20 Beinchen der Steckerleiste  JL03. Am PIN 6 von rechts bzw. an PIN 15 von  links ist die Diode wie im Bild anzuschließen. Die grüne Leitung ist die PTT vom TNC. Vom 10k Widerstand geht die Leitung zu PIN 4  des CMOS Switch.

Abschließend noch ein paar Hinweise:

Wer seinen TNC sowieso nur mit dem C5608D zusammen betreibt, kann sich auch die Versorgungsspannung für den TNC mit ins Kabel führen. Die Spannung kann von von der dicken roten plus Leitung, die aufs Endstufenmodul führt, abgegriffen werden. Man sollte die Leitung unbedingt absichern, eine flinke 200 mA Feinsicherung reicht in der Regel dicke. Der TNC3 von Symek ist ist bei 12 V Gleichspannung (8...25 Volt) , mit 60 bis ca. 350 mA je nach Modems, Spannung u. Software angegeben. Im Zweifelsfall also mal nachmessen.
Sollte es sich am DIGI um einen Duobaud Einstieg ( 1k2 und 9k6 ) handel wo kein DAMA läuft, so ist dringend zu empfehlen im TNC2H eine DCD für 1200 Baud einzubauen. Beim TNC3 reicht es auf DUOBAUD zu stellen. [ESC DB 1]. Eine Verstärkung bzw.  Abschwächung der Signale war beim TNC2H oder TNC3 nicht nötig. Der Hub muß natürlich sorgfälltig angepaßt werden. Wer Probleme hat den Digi zu lesen, obwohl er stark einfällt und das Rauschen des 9K6 Signal gut zu vernehmen ist, der kann mal versuchen die 2te ZF nachzugleichen. Man kann sich auch erst mal schlau machen ob der Digi genau auf der QRG sendet. Auch eine Frequenzkontrolle des eigenen Gerätes ist ratsam. Da das 2te ZF-Filter (455kHz) auf die Betriebsart FM-Sprache zugeschnitten ist kann durchaus passieren das trotz alledem kein zufriedenstellender Empfang möglich ist. Das kann vor allem dann passieren, wenn der DIGI "gut" moduliert ist. Dann stößt das Murata CFWM455E (+-7,5 kHz/6dB) Keramik Filter im wahrsten Sinne des Wortes an seine Grenzen. Dann kann man versuchen es gegen ein CFWM455 D-Typ mit +-10kHZ/6dB zu tauschen. Natürlich leidet dann der FM-Phonie Betrieb etwas darunter. Außerdem geht von der Empfindlichkeit etwas ab. Man kann halt nicht alles haben. Bei meinem Gerät gab es jedoch keine Probleme. Ein wechseln des Filters war nicht nötig. Trotzdem hätte mich der Unterschied mal interessiert, jedoch ist es mir trotzt einer längeren "Sitzung" nicht gelungen die Platine auszubauen. Offenbar sind VHF und UHF Platine an ein paar Stellen verlötet, und ohne  genau zu wissen wo, hat man schlechte Karten. Wem das schon gelungen ist dann bitte kurze Mail.

Mit der  TXDELAY kann man beim C5608 runter bis auf 150ms gehen, wobei es aber ab 140ms nicht  mehr geht. Deshalb arbeitet man am besten mit einem Wert von um die 180ms. Man sollte mit der TXDELAY soweit nach unten wie es nur möglich, aber  trotzdem auf der sicheren Seite bleiben.
Bei den  Filter-Switches konnte ich keine Veränderung im praktischen Betrieb feststellen, deshalb stehen sie im LOOPBACK Modus.

So, das war nun die  langgesuchte "Umbauanleitung" für das C5608D. Sehr viele OM's suchten seit langem danach, ich konnte sehr viele Suchanfragen in den PR-Boxen lesen. Offensichtlich verkommt der Amateurfunk doch immer mehr zur "Plug and Play" Anwendung. Einige haben wohl auch die Einstellung das mal schön die Anderen in ihrem neuen Gerät rumstochern sollen, und ich werde mein "Neues" auf keinen Fall aufschrauben.
Aber da seinerzeit nichts zu finden war habe mir die Punkte selbst aus dem Schaltplan suchen müssen und ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ob das Gerät überhaupt dafür geeignet ist. Was ich damit sagen will; nicht immer auf die Ergebnisse anderer warten, sondern auch selbst mal was "riskieren".

Nun  wüßte ich schon gerne wie der "Umbau" bei Euch geklappt hat. Über eine Rückkopplung von OM´s die ihr Gerät umgebaut haben würde ich mich freuen. Habe in den vergangenen Jahren schon viele Anrufe bekommen von OM´s die erfolgreich noch nach der Anleitung in den PR-Boxen gearbeitet haben.

Nun wünsch ich viel Erfolg erfolg beim "Umbau" und viel Spaß bei 9k6 Packet-Radio.

weitere Mods zum c5608 und anderen Geräten bei www.mods.dk unter STANDARD - C5608

Thilo Sauer, DL9NBJ

Packet Mail: DL9NBJ@DB0HBN